DBV
1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.6 Ökologischer Landbau

Was zeichnet den ökologischen Landbau aus? 
Im ökologischen Landbau werden möglichst geschlossene betriebliche Kreisläufe angestrebt. Futter und Nährstoffe für Tier und Pflanze sollen weitgehend auf eigener Betriebsfläche erzeugt werden, ein Zukauf externer Betriebsmittel ist stark eingeschränkt und muss bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls aus ökologischer Erzeugung stammen. Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, besonders umweltfreundlich, bodenschonend und tiergerecht zu wirtschaften. Ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe müssen sich mindestens einmal jährlich einer besonderen Kontrolle unterziehen.
 
EU-Kommission will Regeln umkrempeln 
Nach der letzten Novelle in 2009 soll die EU-Öko-Verordnung erneut grundlegend reformiert werden. Im März 2014 hat die EU-Kommission vorgeschlagen, spezielle Grenzwerte für Lebensmittel in Anlehnung an Babynahrung einzuführen. Dies wird von der Agrar-Branche kritisch gesehen, weil es die Koexistenz von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft in Frage stellt. Der EU-Agrarministerrat und das Europäische Parlament haben deutliche Korrekturen am Vorschlag der EU-Kommission gefordert.
 
1,09 Millionen Hektar Öko-Fläche in 24.700 Betrieben 
Zum Ende des Jahres 2015 wurden 1,09 Millionen Hektar und damit 6,5 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 1.338 auf 24.736 in 2015. Damit sind 9,0 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Öko-Landbau spezialisiert. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Hessen, Brandenburg, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern sowie in Baden-Württemberg und Bayern. Jeweils etwa zur Hälfte wirtschaften die Öko-Betriebe nach dem Standard der EU-Öko-Verordnung oder nach den Standards der Öko-Anbauverbände.
 
Grünlandnutzung dominiert im Öko-Landbau 
600.000 Hektar und damit 13 Prozent aller deutschen Grünlandflächen wurden 2015 im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Mit 445.000 Hektar ist der Anteil der Ackerflächen im ökologischen Anbau deutlich unterdurchschnittlich bei knapp 4 Prozent. Relativ bedeutend ist jedoch dabei der Öko-Anbau von Hafer, Sommerweizen und Hülsenfrüchten. Bedeutende Nutzungsanteile haben auch die Dauerkulturen und die Streuobstwiesen.
 
Ökolandbau ist wichtiger Faktor bei Gemüse 
In Deutschland wurden 2015 etwa 9 Prozent der Gemüsefläche von insgesamt 114.800 Hektar im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Hauptkulturen sind Knollengemüse, vor allem Möhren und Rote Beete. Außerdem werden 8.800 Hektar Ökokartoffeln angebaut. Die regionale Verteilung ist sehr unterschiedlich: Die meisten Anbauflächen von Öko-Gemüse sind in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu finden. In Rheinland-Pfalz, einem Zentrum der Sonderkulturen, ist die Verbreitung des ökologischen Gemüseanbaus dagegen relativ gering.
 
Ökologischer Landbau in der EU 
In der EU wurde 2015 eine Fläche von 11,2 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet, etwa 21 Prozent mehr als noch 2010. Den Spitzenplatz nimmt Österreich mit knapp 20 Prozent Flächenanteil ein. Mit etwa 1,1 Millionen Hektar Anbaufläche steht Deutschland nach Spanien, Italien und Frankreich an vierter Stelle der größten Ökoanbauländer in der EU. In Frankreich wurde die Öko-Anbaufläche seit 2010 ausgedehnt, in Großbritannien und den Niederlanden ging sie hingegen zurück. Weltweit beträgt die registrierte Ökolandbaufläche in 2015 etwa 43,1 Millionen Hektar.
 
Öko-Landbau braucht höhere Erlöse 
Wegen eines niedrigen Ertragsniveaus und trotz geringerer Ausgaben für Betriebsmittel brauchen Öko-Landwirte höhere Erzeugerpreise, um wirtschaftlich bestehen zu können. Während der meist zweijährigen Übergangsphase eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft entstehen außerdem hohe Umstellungskosten, die nur teilweise durch staatliche Öko-Förderung aufgefangen werden.
 
Umstellungsinteresse gewachsen 
Die wachsende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln und die schwierige Preissituation für viele konventionell erzeugte Agrarprodukte haben für ein wachsendes Umstellungsinteresse unter Landwirten gesorgt. Die regelmäßige Umfrage des Konjunkturbarometer Agrar zum Umstellungsinteresse zeigt, dass sich etwa jeder achte deutsche Landwirt für den Öko-Landbau interessiert, derzeit vor allem bei Milch. Wichtige Voraussetzung aus Sicht des Landwirts ist auch eine vertraglich gesicherte Abnahme der erzeugten Öko-Ware.
 
Erlöse der Öko-Bauern bei 1,8 Milliarden Euro 
Die Verkaufserlöse im Öko-Landbau (Erzeugerstufe) sind nach Berechnungen der AMI in 2015 um fast 10 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Ursache sind vor allem höhere Erlöse bei Gemüse, Kartoffeln, Rindfleisch und Eiern sowie stabile Preise für Milch.
 
Öko-Produkte mit fast 5 Prozent Marktanteil 
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln hat in den letzten fünfzehn Jahren, ausgehend von rund 2 Milliarden Euro in 2000, deutlich zugenommen. In 2015 wurden 4,8 Prozent des deutschen Lebensmittelumsatzes mit Bio-Ware erzielt (8,62 Milliarden Euro). Davon entfielen auf den allgemeinen Lebensmittel-Einzelhandel etwa 55 Prozent.
 
Bio-Produkte unterschiedlich erfolgreich im Markt 
Bei einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Bananen und Möhren sowie im Babyfoodsektor werden deutlich über 10 Prozent Marktanteil im Öko-Lebensmittelsektor erreicht. Bei Frischmilch liegt der Öko-Anteil bei etwa 10 Prozent, bei H-Milch deutlich darunter. Obst und Kartoffeln wurden je zu rund 6 Prozent in Öko-Qualität gekauft. Bio-Fleisch von Schwein und Geflügel ist hingegen besonders teuer im Vergleich zu den konventionellen Angeboten und weist Marktanteile von nur unter einem Prozent auf. Tendenziell höher sind die Marktanteile dort, wo der konventionelle Handel und die Discounter Bio-Produkte anbieten. Verbraucher reagieren also auch beim Konsum von Öko-Nahrungsmitteln auf preisliche Signale. Öko-Produkte mit geringen Preisdifferenzen wie Möhren und Milch werden offenbar eher akzeptiert als mehrere Euro Mehrpreis zum Beispiel beim Fleischeinkauf.
 

 

klassische Ansicht