DBV
2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.2 Klimaschutz

Besondere Rolle der Landwirtschaft 
Das Pariser Klimaschutzabkommen 2016 hat der Ernährungssicherung und Beendigung des Hungers eine „fundamentale Priorität“ zuerkannt. Das Abkommen sieht vor, dass Klimaschutz und eine Anpassung an den Klimawandel so erfolgen, dass die Lebensmittelproduktion nicht gefährdet wird. Der Landwirtschaft als lebenswichtigen Sektor wird beim Klimaschutz also eine besondere Rolle zugewiesen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass eine treibhausgasfreie Produktion von Lebensmitteln nicht möglich ist, da die Landwirtschaft mit natürlichen Prozessen wie Verdauung und Düngung arbeitet. 2014 stammten 7 Prozent der deutschen Gesamtemissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft. Dieser Anteil ist geringer als im Durchschnitt der EU (10 Prozent).
 
Klimaschutz mit Landwirtschaft und Bioenergie 
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe wurden 2014 rund 59 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr und entspricht aber immer noch rund 89 Prozent der Emissionen, die die Landwirtschaft selbst verursacht.
 
Landwirtschaft: Methan und Lachgas als wichtigste Klimagase 
Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft bestehen zum größten Teil aus den Klimagasen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) und nur zu einem kleinen Teil aus Kohlenstoffdioxid (CO2). Methan wird beispielsweise von Wiederkäuern bei der Verdauung produziert und Lachgas entsteht durch die Umsetzung von Stickstoffverbindungen im Boden. Um alle Treibhausgasemissionen und deren Wirkung untereinander vergleichen zu können, werden diese in Kohlenstoffdioxid umgerechnet und in der Einheit „CO2-Äquivalent“ angegeben. So entspricht die Klimawirkung von Methan (CH4) dem 25-fachen und die von Lachgas (N2O) dem 298-fachen von CO2.
 
Vorleistungen für die Landwirtschaft wie die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion sowie alle nachgelagerten Bereiche wie zum Beispiel die Milchund Fleischverarbeitung werden in der offiziellen Treibhausgasberichterstattung nicht in der Landwirtschaft, sondern in der Industrie oder dem verarbeitenden Gewerbe bilanziert. Die Treibhausgasminderungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch Bioenergie erbringt, werden nicht der Land- und Forstwirtschaft, sondern dem Energie- und Verkehrssektor gutgeschrieben.
 
Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffsenke 
Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Bodenkohlenstoffs. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam. Die Treibhausgasemissionen in diesen Bereichen werden als Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst erfasst und unter der international gebräuchlichen Bezeichnung LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry) abgekürzt. Aufgrund methodischer Unsicherheiten war die Anrechnung der Emissionen des LULUCF-Bereichs bislang nicht verpflichtend, soll aber bei der zukünftigen Klimapolitik Berücksichtigung finden.
 
Emissionen seit 1990 um 15 Prozent gesunken 
Seit 1990 – dem Bezugsjahr des ersten Klimaschutzabkommens, des Kyoto-Protokolls - hat die deutsche Landwirtschaft die Treibhausgasemissionen bereits von rund 78 Mio. t CO2-Äquivalent auf 66 Mio. t CO2-Äquivalent in 2014 gesenkt. Dies entspricht einer Reduzierung der Emissionen um 15 Prozent.
 
Klimaeffiziente Landwirtschaft 
Ein Abbau der Tierbestände verbunden mit Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion hat dazu geführt, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig die Produktion gesteigert werden konnte. Die Landwirtschaft produziert heute also mehr und belastet das Klima dabei deutlich weniger als noch 1990. Als Maßstab dafür dient ein Klimaeffizienz-Indikator. Die Bruttobodenproduktion stellt die Erzeugung ohne Rücksicht auf die Art ihrer Verwertung dar. Diese wird nach dem Getreideeinheitenschlüssel berechnet. Während die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gesunken sind, konnte die Bruttobodenproduktion gesteigert werden. Damit ist die Landwirtschaft im Laufe der Jahre klimaeffizienter geworden.
 
Landwirtschaft im weltweiten Vergleich 
Auch im internationalen Vergleich ist die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland besonders klimaschonend. Bei der Produktion von einem Liter Milch zum Beispiel werden durch die Entstehung von Methan in Deutschland ca. 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Afrikas und Asiens mit 7,5 beziehungsweise 3,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch.
 
Ernährung taugt nur eingeschränkt zum Klimaschutz 
Die Ernährung kann als lebensnotwendige Tätigkeit im Gegensatz zum Verkehr oder täglichen Konsum an Gebrauchsgegenständen nicht eingeschränkt oder gar aufgegeben werden. Ernährung kann dabei höchstens klimaoptimiert umgestellt werden. Allerdings wird das Potenzial der Ernährung für den Klimaschutz in der Praxis als gering angesehen. Treibhausgasoptimierungen im Verkehr oder im Energiebereich sind für den Klimaschutz bedeutender als eine Anpassung der Ernährung. Die Emissionen aus der Mobilität übersteigt die Emissionen der Ernährung (inklusive Lebensmitteltransport) deutlich.
 

 

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