DBV
3 Agrarstruktur

3.2 Boden- und Pachtmarkt

Preise für Agrarland kräftig gestiegen 
Die Preise für Agrarland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2015 weiter deutlich gestiegen, und zwar im Bundesdurchschnitt um 8 Prozent auf rund 19.600 Euro je Hektar. Die Preise kletterten allerdings etwas weniger stark als im Vorjahr (+ 10 Prozent) und Vorvorjahr (+ 14 Prozent). Mit Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten vor allem viele der neuen Bundesländer neben Bayern die höchsten Preissteigerungen. Im Durchschnitt der neuen Länder lag der Preis für Agrarflächen 2015 bei 14.200 Euro je Hektar (gegenüber Vorjahr + 16 Prozent), im Westen Deutschlands bei 29.900 Euro (+ 5 Prozent).
 
Flächenumsatz nur bei 0,7 Prozent der gesamten Agrarfläche 
Insgesamt sind 2015 etwa 114.400 Hektar Agrarland verkauft worden. Gegenüber dem Vorjahr sind das 5 Prozent mehr. Gemessen an der gesamten Agrarfläche Deutschlands sind das 0,7 Prozent. In den neuen Bundesländern stieg die veräußerte Agrarfläche gegenüber dem Vorjahr um gut 8 Prozent auf 75.200 Hektar an. Demgegenüber ist der Flächenumsatz in Westdeutschland mit 39.200 Hektar gegenüber Vorjahr nahezu unverändert geblieben. An der Spitze in Sachen Bodenmobilität lag auch in 2015 Brandenburg mit einer verkauften Fläche von 32.500 Hektar, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 15.600 Hektar, Sachsen-Anhalt mit 13.100 Hektar sowie Niedersachsen mit 12.700 Hektar. Mit 4,97 Hektar lag die durchschnittliche Fläche je Veräußerungsfall im Osten Deutschlands wesentlich höher als im Westen mit 1,35 Hektar.
 
Stark differierende Bodenpreise 
Je nach Bodengüte, Nutzungsart oder regionaler Lage sind die Preisunterschiede beim Kauf von Agrarflächen erheblich. Für den relativ hohen Preisstand in Bayern (besonders Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern mit 84.900 bzw. 78.900 Euro je Hektar) und Nordrhein-Westfalen (besonders Regierungsbezirke Düsseldorf und Münster mit 52.400 bzw. 51.300 Euro je Hektar) sind auch die starke Nachfrage nach Bebauungs-, Verkehrs- und Ausgleichsflächen maßgebend. Umgekehrt finden sich die niedrigsten Kaufwerte je Hektar im Saarland (10.000 Euro), in Thüringen (10.500 Euro), Sachsen (10.900 Euro) Brandenburg (12.500 Euro), Rheinland-Pfalz (12.800 Euro) sowie in den Regierungsbezirken Gießen (9.900 Euro) und Kassel (12.500 Euro). Für 2015 ergibt sich bei Agrarlandverkäufen ein Gesamtumsatz von 2.239 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 22 Prozent mehr.
 
Kaufwerte-Statistik 
Die Statistik der Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke basiert auf Angaben der Finanzämter oder der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte. Erfasst werden die Verkäufe von landwirtschaftlichen Grundstücken, bei denen die veräußerte Fläche der landwirtschaftlichen Nutzung mindestens 0,1 ha groß ist. Die durchschnittlichen Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke werden in der Bundesstatistik nach Bundesländern/Regierungsbezirken und Merkmalen wie Ertragsmesszahl- und Flächengrößenklassen dargestellt. Eine Differenzierung nach Acker- und Grünland erfolgt nicht. Die Ertragsmesszahl (EMZ) kennzeichnet die naturale Ertragsfähigkeit des Bodens aufgrund der natürlichen Ertragsbedingungen, insbesondere der Bodenbeschaffenheit, der Geländegestaltung und der klimatischen Verhältnisse. Nähere Einzelheiten zur Kaufwertestatistik unter http://bit.ly/Destatis
 
Starke Dynamik der Bodenpreise – mit großen regionalen Unterschieden 
Seit 2007 zeigt der Bodenmarkt deutlich mehr Preisdynamik als zuvor, auch in den alten Ländern. So stiegen seither die Agrarlandpreise in Niedersachsen um 126 Prozent, in Schleswig-Holstein um 119 und in Bayern um 102 Prozent. Im Durchschnitt des früheren Bundesgebietes stiegen die Kaufpreise für Agrarland um 113 Prozent. Mit 240 Prozent wesentlich stärker war der Anstieg in den neuen Ländern. Besonders stark war die Bodenpreisdynamik in Mecklenburg-Vorpommern (plus 314 Prozent) und Brandenburg (plus 312 Prozent). Die Bodenpreise haben sich zwischen Ost und West insgesamt angenähert.
 
60 Prozent der Agrarflächen sind gepachtet 
Der Boden wird als Eigentums- oder Pachtfläche im Verhältnis von 38,4 Prozent Eigentums- zu 60,0 Prozent Pachtflächen genutzt. Die übrigen 1,6 Prozent der Fläche haben die Landwirte nach zuletzt verfügbaren Ergebnissen aus der Agrarstrukturerhebung 2013 unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der agrarstrukturellen Entwicklung gibt es regionale Unterschiede.
 
Anstieg des Eigenflächenanteils im Osten, Rückgang im Westen 
Im früheren Bundesgebiet befanden sich 2013 55 Prozent der LF in Pacht und 44 Prozent in Eigentum. In den neuen Bundesländern waren dagegen 71 Prozent in Pacht und 28 Prozent in Eigentum. Die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigenflächen sind zwischen 2010 und 2013 in den neuen Bundesländern um 3,0 Prozentpunkte angestiegen. Anders in den alten Bundesländern. Hier ging Eigentumsanteil zugunsten des Pachtanteils um 1,8 Prozentpunkte zurück. Für Deutschland insgesamt ist der Pachtflächenanteil mit 60 Prozent gegenüber 2010 nahezu unverändert geblieben.
 
Kräftige Pachtpreissteigerungen - bei großen regionalen Unterschieden 
Die Pachtpreise sind in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Die durchschnittlich gezahlten Preise für Neupachten lagen in den neuen Ländern nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben mit 206 Euro je Hektar bei etwa knapp der Hälfte des Pachtpreisniveaus im Westen Deutschlands von 442 Euro je Hektar. Die höchsten durchschnittlichen Neupachtpreise mit Werten zwischen 490 und 520 Euro je Hektar wurden in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein verzeichnet. Mehr oder minder deutlich unter 200 Euro liegt dagegen das Preisniveau für Neupachten in den Ländern Brandenburg, Sachsen, Thüringen sowie im Saarland. Neuere Angaben zur Pachtpreisentwicklung werden mit den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 erwartet. Es zeichnet sich ab, dass der Preisdruck auf wichtigen Agrarmärkten in vielen Regionen auch Einfluss auf den Preistrend am Pachtmarkt hat.
 
Landwirtschaftlicher Pachtmarkt unterliegt vielfältigen Einflüssen 
Die Pachtzahlungen der aktiv wirtschaftenden Landwirte an Verpächter betrugen nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben 2,4 Milliarden Euro. Damit sind die Pachten seit Anfang der 90er Jahre (1992) um etwa 1,0 Milliarden Euro gestiegen. Zum Vergleich: Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen machten 2013 etwa 5,2 Milliarden Euro aus. Ausschlaggebend ist auf dem landwirtschaftlichen Bodenund Pachtmarkt die Rentabilität der Flächennutzung. Aktuelle Pachtpreissteigerungen sind vor allem auf verbesserte Erlöserwartungen zurückzuführen. In Abhängigkeit verschiedener landwirtschaftlicher und außerlandwirtschaftlicher Einflüsse (z.B. Agrarpreise, EEG-geförderte Biogasanlagen, Verwertung von Wirtschaftsdünger, Flächenverbrauch, Ausgleichsflächen), die sich gegenseitig überlagern und/ oder kumulieren können, resultieren auch bei den landwirtschaftlichen Pachtpreisen große regionale Unterschiede. Wird die Eigentumsfläche der Landwirte mit dem kapitalisierten durchschnittlichen Pachtpreis multipliziert, beläuft sich der Bodenkapitalstock der deutschen Landwirtschaft auf 30,2 Milliarden Euro.
 

 

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