DBV
3 Agrarstruktur

3.4 Betriebs- und Rechtsformen

Einzelunternehmen dominieren 
Nach Rechtsformen betrachtet dominieren die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, die in der Regel als Familienbetriebe geführt werden. So zählten nach zuletzt vorliegenden Angaben aus der Agrarstrukturerhebung 2013 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands zu den Einzelunternehmen und 8 Prozent zu den Personengesellschaften. Knapp 2 Prozent der Betriebe gehörten zur Rechtsform der juristischen Personen (GmbH, Genossenschaft, AG).
 
Juristische Personen besonders in den neuen Bundesländern 
Vor allem durch zahlreich neu entstandene GmbHs ist die Zahl der juristischen Personen zwischen 2010 und 2013 von rund 5.100 auf rund 5.300 angestiegen (einschließlich juristische Personen des öffentlichen Rechts). In den neuen Bundesländern ist die vergleichsweise hohe Zahl von 3.800 Kapitalgesellschaften, eingetragenen Genossenschaften und Aktiengesellschaften tätig. Im früheren Bundesgebiet haben 1.400 Unternehmen die Rechtsform einer juristischen Person gewählt.
 
Mehr Personengesellschaften und GmbHs 
Die Zahl der Personengesellschaften und GmbHs hat seit 1999 deutlich zugelegt, während Einzelunternehmen aber auch Genossenschaften deutlich weniger geworden sind. Die starke Zunahme der Personengesellschaften, vor allem in Form von Gesellschaften bürgerliches Rechts (GbR), hat besonders im früheren Bundesgebiet stattgefunden. Im Osten Deutschlands haben die landwirtschaftlichen Personengesellschaften in der Rechtsform der GmbH & Co. KG zugenommen. Von GmbHs werden mittlerweile 9 Prozent der Agrarfläche Deutschlands bewirtschaftet. Im Osten Deutschlands sind es sogar entsprechend 25 Prozent. Weitere 24 Prozent der Fläche werden dort von Agrargenossenschaften bewirtschaftet.
 
Zwei Drittel der Fläche von Einzelunternehmen bewirtschaftet 

Die Einzelunternehmen in Deutschland bewirtschaften nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben gut 65 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Durchschnittlich liegt die Flächenausstattung bei 43 Hektar je Betrieb – wobei die Spanne von 31 Hektar in Baden-Württemberg und Bayern bis 135 Hektar in Mecklenburg- Vorpommern reicht. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Personengesellschaften liegt bei 116 Hektar, juristische Personen verfügen im Durchschnitt über 551 Hektar.
 
Acker- und Futterbaubetriebe dominieren 
In der Gliederung nach Produktionsschwerpunkten sind gemäß EU-Typologie 41 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Futterbaubetriebe, 28 Prozent sind Ackerbaubetriebe (Getreide und andere Verkaufsfrüchte), 14 Prozent Gemischtbetriebe (Verbundbetriebe), 10 Prozent Dauerkultur- (Wein, Obst, Hopfen) und Gartenbaubetriebe sowie gut 6 Prozent Veredlungsbetriebe (Schweine, Geflügel, Eier). Der relativ gering erscheinende Anteil der Veredlungsbetriebe ist darauf zurückzuführen, dass die Flächennutzung maßgebend für die Einteilung der Betriebe ist, unabhängig davon, ob der Aufwuchs in der tierischen Produktion verwendet oder an Handel und Verarbeitung verkauft wird.
 
Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe zahlenmäßig gleich stark 
Die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen können nach ihrem Erwerbscharakter unterschieden werden. Aufgrund des Verhältnisses von betrieblichem Einkommen und dem Einkommen aus außerbetrieblichen Quellen erfolgt die Zuordnung: Die Haupterwerbsbetriebe beziehen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens aus dem landwirtschaftlichen Betrieb, die Nebenerwerbsbetriebe weniger als 50 Prozent. Nach dieser Definition sind 52 Prozent der Einzelunternehmen im Nebenerwerb und 48 Prozent im Haupterwerb geführt. In Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen liegt der Anteil der Einzelunternehmen im Nebenerwerb bei rund zwei Drittel. Im Vergleich zu 2010 ist der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe deutlich angestiegen. Diese Entwicklung geht einher mit der relativ stark abnehmenden Zahl Vieh haltender Betriebe.
 
Flächenausstattung sehr unterschiedlich 
Der Nebenerwerb kann sowohl Übergangsstadium als auch stabile Form einzelbetrieblicher Entwicklungen sein. Auf die im Nebenerwerb geführten Familienbetriebe entfallen rund 2,8 Millionen Hektar LF – das sind durchschnittlich 21 Hektar je Betrieb. Die im Haupterwerb geführten Betriebe bewirtschaften mit durchschnittlich 66 Hektar eine mehr als dreimal größere LF als die Nebenerwerbsbetriebe. Dabei haben die Haupterwerbsbetriebe der neuen Bundesländer eine höhere durchschnittliche Flächenausstattung als die Betriebe im früheren Bundesgebiet. Sie sind beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich fast viermal so groß wie im Bundesdurchschnitt (251 Hektar zu 66 Hektar).
 
94.100 Bauernhöfe mit betriebsnahen Erwerbs- und Einkommenskombinationen 
Von den rund 285 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland hat im Jahr 2013 etwa jeder Dritte seine landwirtschaftliche Erwerbstätigkeit um betriebsnahe Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten ergänzt. Dazu gehören beispielsweise Urlaubs- und Freizeitangebote auf dem Bauernhof, die Verarbeitung und Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder die Erzeugung erneuerbarer Energien. 49 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe mit derartigen Erwerbs- und Einkommenskombinationen verdienten mit der Erzeugung erneuerbarer Energien Geld dazu. 22 Prozent der Betriebe nutzten die Forstwirtschaft als zusätzliche Einkommensquelle. Immerhin noch 18 Prozent der Betriebe führten Dienstleistungen wie zum Beispiel Feldarbeiten für andere Betriebe durch. Insgesamt machten die Erwerbs- und Einkommenskombinationen allerdings in mehr als der Hälfte der Betriebe nur bis zu 10 Prozent am Gesamtumsatz aus. 13 Prozent der Betriebe erzielten damit mehr als die Hälfte ihres Gesamtumsatzes.
 

 

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