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7 Internationale Agrarentwicklung

7.2 Agraraußenhandel

Die EU ist der größte Exporteur der Welt
Die Europäische Union (EU-28) ist mit 510,1 Millionen Menschen (2016) nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern auch die größte Handelsmacht der Welt; der Anteil der EU-28 am Welthandel (bezogen auf den Export und ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels) betrug nach zuletzt für 2014 vorliegenden Daten 15,9 Prozent. Der Anteil Chinas am Welthandel lag bei 16,5 Prozent und der Anteil der USA bei entsprechend 11,4 Prozent. Die EU-Importe hatten 2014 einen Anteil am Welthandel von 15,5 Prozent (USA 16,6 Prozent, China 13,5 Prozent).
 
Plus in der EU-Handelsbilanz 2015 größer geworden
Aus- und Einfuhren der EU mit Drittländern haben sich 2015 positiv entwickelt. Während die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent höher ausfielen, stiegen die Einfuhren um 2 Prozent an. Dadurch erhöhte sich das Plus in der Außenhandelsbilanz von 11 Milliarden Euro in 2014 auf 64 Milliarden Euro in 2015.
 
USA und China sind die wichtigsten Handelspartner der EU
Im Jahr 2015 blieben die Vereinigten Staaten (619 Mrd. Euro bzw. 18 Prozent des gesamten Warenverkehrs der EU) und China (521 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent) die zwei wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union im Warenverkehr, mit deutlichem Vorsprung vor der Schweiz (253 Mrd. Euro bzw. 7 Prozent) und Russland (210 Mrd. Euro bzw. 6 Prozent). Bedingt durch hohe Energieeinfuhren betrug das Handelsdefizit der EU mit Russland 2015 62 Milliarden Euro. Mit China hatte die EU 2015 ein Handelsdefizit von 180 Milliarden Euro. Auf Grund stark gestiegener Einfuhren aus China ist das Defizit gegenüber dem Vorjahr um 43 Milliarden Euro gestiegen. Dagegen ist der Handelsbilanzüberschuss mit den USA auf 122 Milliarden Euro angestiegen.
 
Deutschland im Weltagrarhandel die Nummer drei
Deutschland nimmt beim globalen Handel von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln eine Spitzenposition ein. Von den im Jahr 2015 weltweit exportierten Agrargütern im Gesamtwert von 1.568 Milliarden US-Dollar stammten 4,8 Prozent aus Deutschland. Mehr Agrarprodukte außerhalb ihrer Grenzen vermarkteten 2015 nur die USA und die Niederlande.
 
Brasilien mit weltweit größtem Exportüberschuss
Deutschland ist auch die Nummer drei in der Rangliste der Agrarimportländer. Verrechnet man Exporte und Importe miteinander, ergibt sich für Deutschland ein Agrarhandelsdefizit von 13 Milliarden US-Dollar. Damit steht Deutschland auf Platz 7 der größten Nettoimporteure von Agrarprodukten. Japan, China und das Vereinigte Königreich haben weitaus größere Nettoimporte. Der bei weitem größte Nettoexporteur ist Brasilien. Dieses Land exportierte 2015 für 62 Milliarden US-Dollar mehr Agrargüter als es importierte. Mit großem Abstand folgen in der Rangliste der weltgrößten Agrar-Nettoexporteure Argentinien und die Niederlande.
 
EU-Agrarhandelsbilanz im Plus
Auf Basis der WTO-Definition von Agrareinfuhren und -ausfuhren, die Fisch und Fischwaren nicht berücksichtigt, hat die Europäische Kommission für das Jahr 2015 einen EU-Außenhandelsbilanzüberschuss bei Agrar- und Ernährungsgütern von 16,0 Milliarden Euro ermittelt. Weil die Einfuhren etwas stärker stiegen (+ 8,7 Prozent) als die Ausfuhren (+ 6,0 Prozent) fällt das Außenhandelsplus gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Milliarden Euro geringer aus. Die EU-Agrarimporte beruhen vor allem auf beträchtlichen Einfuhren an Gemüse, Obst, (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen) sowie an Futtermitteln, Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. Hinzu kommen umfangreiche Importe an Kaffee, Tee, Fleischwaren, Tabak und Kakao. Die EU ist bedeutender Exporteur vor allem bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen), aber auch von Bier, Wein und Spirituosen.
 
EU für Entwicklungsländer ein wichtiger und offener Absatzmarkt
Für die Entwicklungs- und Schwellenländer ist die EU im internationalen Vergleich der offenste Absatzmarkt. Sie liefern in die EU zollfrei oder zu niedrigen Zollsätzen mehr Agrarprodukte als in die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland zusammen. Rund 71 Prozent der EU-Agrarimporte und etwa 55 Prozent der EU-Agrarexporte werden mit den Entwicklungs- und Schwellenländern getätigt. Aus diesen Ländern importierte die EU auch im Jahre 2015 wesentlich mehr Agrargüter (79,9 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 8 Prozent) als sie dorthin exportierte (71,1 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 10 Prozent). Ein großer Teil der Einfuhren entfällt auf Erzeugnisse, die nicht oder kaum mit EU-Produkten konkurrieren. Dazu gehören vor allem südländisches Obst und Gemüse sowie Kaffee, Kakao und Tee.
 
EU-Agrarhandel in 2016 mit weiterem Zuwachs
Nach Ergebnissen für die ersten neun Monate des Jahres 2016 (Januar bis September) sind die Exporte der EU gegenüber dem entsprechenden Vorjahresstand um etwa 4,0 Prozent und die EU-Importe um rund 2,6 Prozent zurückgegangen. Der darin enthaltene EU-Handel mit Nahrungsmitteln nahm dagegen auf der Ausfuhrseite um 2 Prozent zu und konnte sich auf der Einfuhrseite in etwa behaupten. Im Vergleich zu Januar bis September 2015 sind die EU-Agrarausfuhren nach China um etwa ein Fünftel gestiegen.
 

Deutscher Außenhandel wächst
Sowohl auf der Einfuhr- als auch der Ausfuhrseite konnte der deutsche Außenhandel 2015 an das Vorjahresergebnis anknüpfen. Mit einem wertmäßigen Umfang von 1.194 Milliarden Euro fielen die Ausfuhren gegenüber 2014 um rund 70 Milliarden Euro oder gut 6 Prozent höher aus. Die Einfuhren stiegen um rund 39 Milliarden Euro oder gut 4 Prozent auf 949 Milliarden Euro. Der positive Handelsbilanzsaldo verbesserte sich um 31 Milliarden Euro auf 244 Milliarden Euro. In 2016 zeichnet sich ein allenfalls schwaches Wachstum des Außenhandels ab. Im Zeitraum Januar bis September legten die Ausfuhren leicht zu (+ 1 Prozent), während die Einfuhren knapp hinter dem Vorjahresstand zurückblieben.
 
Agrarhandel nur mit leichter Zunahme
Der deutsche Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft hatte in 2015 ausfuhrseitig eine etwas schwächere Dynamik als die übrige Wirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2014 stiegen die Agrarausfuhren um knapp 3 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Die Agrareinfuhren nahmen dagegen um fast 6 Prozent auf 79,6 Milliarden Euro zu. Im Ergebnis schloss die Agrarhandelsbilanz mit einem Defizit von 11,3 Milliarden Euro ab. Das waren 2,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Gemessen am deutschen Außenhandel insgesamt hatten die Agrarausfuhren einen Anteil von 5,7 Prozent und die Agrareinfuhren einen Anteil von 8,4 Prozent.
 
Agrarexport im Aufwärtstrend
Die deutschen Agrarexporte haben sich seit 2004 mehr als verdoppelt. Seit der Wiedervereinigung sind sie um mehr als das Dreieinhalbfache gestiegen. Das Wachstum der Agrarimporte verlief dagegen sowohl in absoluten als auch in relativen Größen deutlich moderater. Gegenüber der Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung hat sich der Umfang der Einfuhren verdoppelt. Die deutsche Landwirtschaft erlöst inzwischen jeden vierten Euro direkt oder indirekt aus dem Export. In der Ernährungswirtschaft liegt der Exportanteil sogar bei 33 Prozent.
 
Neue Rekorde im Agraraußenhandel
Nach Angaben für den Zeitraum Januar bis September 2016 sind die Exporte von Agrar- und Ernährungsgütern um fast 4 Prozent angestiegen. Die Agrarimporte haben um gut 3 Prozent zugenommen. Schätzungen zufolge dürften die deutschen Agrarexporte in 2016 auf den neuen Rekordwert von fast 71 Milliarden Euro ansteigen. Die Agrareinfuhren dürften einen Wert von mehr als 82 Milliarden Euro erreichen.
 
Deutscher Agrarexport steht für Ausfuhr von Qualitätsprodukten
Charakteristisch für den deutschen Agrarexport ist die Ausfuhr von hochwertigen Veredlungserzeugnissen. So sind Milch und Milcherzeugnisse, darunter vor allem Käse, sowie Fleisch und Fleischwaren die wichtigsten Produkte des deutschen Agrarexportes. Qualität und Sicherheit sind wichtige Faktoren im Export.
 
Deutscher Agrarhandel überwiegend mit EU-Partnerstaaten
Deutschlands wichtigste Kunden im Agrarhandel sind die EU-Länder. 76 Prozent der gesamten Agrarausfuhren gingen 2015 in EU-Partnerstaaten und 24 Prozent in Drittländer. Beim Drittlandexport sind die Schweiz, die USA, Saudi-Arabien und China die wichtigsten Abnehmer. Bei den Drittlandimporten ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Lieferant vor den USA, der Türkei und China.
 
Export- und Importsteigerungen besonders gegenüber Drittländern
Der deutsche Agrarexport mit Drittländern ist 2015 mit 7 Prozent deutlich stärker gewachsen als der Agrarexport innerhalb der EU mit gut 1 Prozent. Ähnlich sieht es bei den Agrarimporten aus. Während die Agrareinfuhren aus den EU-Partnerstaaten um etwa 4 Prozent zunahmen, stiegen die Agrareinfuhren aus den Drittländern um gut 9 Prozent. Im Zeitraum von Januar bis September 2016 hat sich der Agrarhandel mit EU-Drittländern sowohl auf der Ausfuhrseite als auch auf der Einfuhrseite behauptet. Das Wachstum des deutschen Agrarhandels in 2016 resultiert ausfuhr- und einfuhrseitig fast ausschließlich aus dem Binnenhandel heraus.
 
Handel mit Entwicklungsländern: Viel Import, wenig Export
73 Prozent der deutschen Agrarimporte aus Drittländern stammen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, insgesamt 18,5 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr + 10 Prozent). Importiert werden in erster Linie Kaffee, Ölsaaten sowie Obst und Südfrüchte. Die Exporte in die Entwicklungs- und Schwellenländer stiegen 2015 um fast 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Das sind 13 Prozent der gesamten deutschen Agrarexporte. Der traditionelle Einfuhrüberschuss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern stieg 2015 auf 9,3 Milliarden Euro.
 
EU-Erweiterung hat deutschen Agrarhandel beflügelt
Der EU-Beitritt der elf osteuropäischen Länder sowie von Malta und Zypern hat den deutschen Agrarhandel deutlich belebt. Deutschland führte 2015 aus den EU-Beitrittsländern Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 8,6 Milliarden Euro ein. Entsprechend ausgeführt wurden Waren im Wert von 9,4 Milliarden Euro. Bei den Agrarimporten aus den 13 Beitrittsländern entfielen 2015 4,9 Milliarden Euro auf Polen. Etwas niedriger fielen die deutschen Agrarexporte nach Polen aus (4,1 Milliarden Euro).
 
Agraraußenhandel mit Russland bleibt auf niedrigem Niveau
Nach Einführung des Import-Embargos im August 2014 sind die deutschen Agrarausfuhren nach Russland stark eingebrochen. Sie sind in 2015 um weitere 25 Prozent auf 863 Millionen Euro gefallen. Ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau stiegen die Agrarimporte dagegen um fast 3 Prozent auf 227 Millionen Euro an. Für den Zeitraum Januar bis September 2016 konnten sich die deutschen Agrarexporte nach Russland auf niedrigem Niveau behaupten (+ 2 Prozent), während die Importe um 10 Prozent zulegten.
 
Deutlich mehr Agrarhandel mit den USA
Im Drittlandhandel sind die USA nach Brasilien der bedeutendste Lieferant von Agrar- und Ernährungsgütern. Die deutschen Agrarimporte von dort stiegen 2015 wertmäßig um 20 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro. Die deutschen Agrarausfuhren in die USA nahmen dagegen nur um 6 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro zu. Auf Basis der Angaben für die Monate Januar bis September dürften die deutschen Agrarausfuhren in die USA in 2016 nochmals um 6 Prozent zunehmen. Der Wert der importierten US-Agrargüter dürfte dagegen um etwa 5 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurückbleiben.
 

Starke Zunahme der Agrarexporte nach China
In 2015 haben die deutschen Agrarexporte nach China um fast die Hälfte zugenommen. Das Exportvolumen erreichte einen Wert von knapp 1,4 Milliarden Euro. Aus Basis der Handelszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2016 werden die Agrarexporte nach China um gut ein Drittel weiter stark zunehmen. Mit geschätzten 1,9 Milliarden Euro fallen die deutschen Exporte an Agrar- und Ernährungsgütern nach China in 2016 größer aus als die in die USA (geschätzt 1,8 Mrd. Euro).
 

 

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