DBV
Agrarwirtschaft

Standpunkt in der dbk-Mitgliederzeitung

Gefällige Naturwissenschaftler und öffentliche Empörungswellen

Dieser Betrag ist auch in der Deutschen Bauernkorrespondenz - dbk - Ausgabe 9/2012 erschienen - mehr erfahren >>>
 
Dass die Landwirtschaft im 21. Jahrhundert eine Schlüsselbranche für die Sicherung des Wohlergehens der Menschheit sein wird, ist gewiss keine neue Erkenntnis. Die Sicherung der Welternährung und die Versorgung mit nachwachsenden Rohstoffen wird global eine große Herausforderung sein. Nun bringen schon ein globaler Ernteausfall von 100 Millionen Tonnen Mais und ein Getreidepreis von 25 Euro je Doppelzentner in Deutschland eine heftige mediale und politische Debatte in Gang, bei der sich die Bauern nur noch die Augen reiben. Der Bauernverband tut in dieser Situation gut daran, weiter „geradeaus“ zu argumentieren: Nahrungsmittelerzeugung bleibt unsere wichtigste Aufgabe; Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe sind eine gute Ergänzung.
 
Den Auftakt für eine heiße Sommerdebatte um Landwirtschaft und Bioenergie lieferte die Leopoldina. Diese ist 2008 von Bundesforschungsministerin Schavan zur nationalen Akademie der Naturwissenschaften gekürt und mit der Aufgabe versehen worden, Öffentlichkeit und Politik aus wissenschaftlicher Sicht zu beraten. Die Leopoldina legt nun im Sommer 2012 eine Studie zur Bioenergieförderung vor, die erkennbar vor allem durch die Meinung von Biologen beeinflusst ist. Nüchterne Analysen von Ingenieuren, gar von Agraringenieuren, waren bei der Leopoldina scheinbar weniger gefragt.
 
Ausgerechnet die Naturwissenschaftler der Leopoldina scheinen zusätzlich dem Reiz erlegen zu sein, mit bewusst kritischen Tönen für öffentliche Aufmerksamkeit zu sorgen. Anders ist die Überschrift der Pressemitteilung "Leopoldina legt kritische Stellungnahme zur Nutzung der Bioenergie vor" nicht zu erklären. Wenn Wirtschaft und Politik von „der Wissenschaft“ kritisiert werden, ist ein Tenor vorgegeben, von dem man erwarten kann, dass dieser von den Medien begierig aufgegriffen wird.

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