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Natur und Umwelt

Wasser & Landwirtschaft

Fragen und Antworten

Woher stammt das in der Landwirtschaft genutzte Wasser?

Mit durchschnittlich 700 - 800 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fällt in Deutschland genügend Niederschlag, um in der Landwirtschaft fast ausschließlich Regenwasser, sogenanntes „grünes“ Wasser zu nutzen, das stetig natürlich nachgeliefert wird. Die Landwirtschaft nutzt das Wasser also nachhaltig und „verbraucht“ kein Wasser. Im Vergleich zu anderen Ländern der Erde ist Deutschland ein wasserreiches Land. Der langjährige durchschnittliche Niederschlag summiert sich auf rund 278 Mrd. Kubikmeter.
 
 



Neben „grünem“ Wasser gibt es noch „blaues Wasser“ aus Grund- und Oberflächengewässern und „graues Wasser“, das während der Herstellung eines Produktes verbraucht wird. „Blaues Wasser“ ist damit das Wasser, welches beispielsweise aus Brunnen oder Flüssen zur Bewässerung oder für den menschlichen Bedarf entnommen wird. „Graues Wasser“ wiederum ist verunreinigtes Wasser und kann erst nach Reinigung wieder für andere Zwecke verwendet werden. Die Wassermenge, die direkt und indirekt für die Herstellung eines Produktes genutzt wird, bezeichnet man als „virtuelles Wasser“. Es fasst grünes, blaues und graues Wasser zusammen.
 

 
Wie viel Wasser nutzt die Landwirtschaft in Deutschland?

Nach Verrechnung von Zu- und Abflüssen aus dem bundesdeutschen Gebiet sowie Abzug der Verdunstung verbleiben erneuerbare Wasserressourcen von ca. 188 Mrd. Kubikmeter zur Nutzung, das sogenannte jährliche Wasserdargebot aus Grund-, Oberflächen- und Quellwasser. Alle Wirtschaftsbereiche und private Haushalte zusammen nutzen ca. 29 Mrd. Kubikmeter, also nur rund 15 Prozent 188 Mrd. Kubikmeter. Während im Weltmaßstab rund zwei Drittel des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfällt, setzt die Landwirtschaft in Deutschland insgesamt nur 1,3 Prozent des Gesamtwassereinsatzes ein. Damit nutzt die Landwirtschaft nur 0,2 Prozent des insgesamt verfügbaren Wassers.
 
Wo geht das in der Landwirtschaft genutzte Wasser hin?

Wasser wird in der Landwirtschaft im Kreislauf geführt. Abhängig vom jeweiligen Boden und Standort wird der größte Teil entweder über pflanzliche Verdunstung (40-45 %), Verdunstung des Bodens (10-15 %) sowie Abfluss und Versickerung (40-45 %) wieder in den natürlichen Wasserkreislauf eingespeist. Zudem wird genutztes Wasser – das von Tieren getrunken oder von Pflanzen aufgenommen wurde – beispielsweise über Gülle bzw. Erntereste wieder auf landwirtschaftliche Flächen zurückgebracht. Nur der geringste Teil des Regenwassers (z.B. 780 l/m²) wird über das Stroh (0,1 l/m²) oder das Getreidekorn (0,1 l/m²) vom Acker geholt. Damit unterscheidet sich die Landwirtschaft fundamental zu anderen Wirtschaftszweigen, beispielsweise der Energieerzeugung mit thermischen Kraftwerken, die stark in den Wasserkreislauf eingreifen.
Zudem ist unter Ackerflächen die Grundwasserneubildung am höchsten. Bei einer jährlichen Versickerung von bis zu 200 l/m² bei 800 l/m² Niederschlag können je Hektar 1 bis 2 Mio. Liter Grundwasser neu gebildet werden.
 
 
Wie sparsam geht die Landwirtschaft mit Wasser um?

Entscheidend ist in der Landwirtschaft nicht nur, wie viel Wasser genutzt wird, sondern vor allem, wo dieses herkommt. In Deutschland wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt, wohingegen in Ländern mit Wasserknappheit für die Landwirtschaft oft auf Brunnenwasser zurückgegriffen werden muss. Bewässerung wird in Deutschland nur auf etwa 2 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (ca. 365.000 Hektar) eingesetzt. Bei der Bewässerung ergibt sich je nach Art der eingesetzten Bewässerung eine unterschiedliche Wassernutzungseffizienz und Wasserverluste durch Verdunstung und Versickerung. Bewässerung, bei der die Fläche überflutet wird, erreicht lediglich eine Effizienz der Wassernutzung von 20 - 40 Prozent, wohingegen Beregnungsmaschinen auf rund 60-80 Prozent kommen und Tropfbewässerung als effizientestes Verfahren 90 Prozent erreicht.
Durch das Klima und den Niederschlag bedingt kann Landwirtschaft hierzulande mit einem im weltweiten Maßstab sehr guten Wassereinsatz betrieben werden. So bedarf der Anbau von 1 kg Weizen in Deutschland nur um die 40 Prozent des weltweit benötigten Wassers.
 
 
Welche internationalen Effekte ergeben sich aus dem landwirtschaftlichen Wassereinsatz?

Landwirtschaftliche Produkte können nicht in allen Regionen der Welt in gleicher Weise mit Regenwasser erzeugt werden. Internationaler Handel von Agrarprodukten kann dadurch zum weltweiten Wassersparen beitragen, beispielsweise, wenn Getreide aus Mitteleuropa nach Nordafrika und Arabien geliefert wird. Werden landwirtschaftliche Produkte gehandelt, so ist damit auch der Handel von so genanntem „virtuellem Wasser“ verbunden. Damit ist jenes Wasser gemeint, das direkt und indirekt für die Produktion eingesetzt wird. Dabei ist neben der Menge vor allem auch dessen Herkunft entscheidend. In Regionen mit Wasserknappheit lässt sich durch den Import von Agrarprodukten demzufolge Wasserknappheit verringern. Wie das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung berechnet hat*, hat dies dort positive wirtschaftliche Effekte. Besonders groß sind diese im Mittleren Osten, Nordafrika und Südostasien. Wird hingegen aus Ländern mit Wasserknappheit virtuelles Wasser exportiert, so hat dies dort negative wirtschaftliche Effekte. Dies ist der Fall für Südeuropa, weshalb die Wasserbilanz trotz der Vorzüglichkeit in Nord- und Mitteleuropa insgesamt negativ ausfällt. Unter dem Strich spart Agrarhandel weltweit jedoch Wasser ein.
 
 

 
*www.pik-potsdam.de

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